Nun sind „Alle da“!

Ein Stück über Flucht ist keine Flucht. Niemals wird es ihr gerecht werden. Ein Stück Theater ist kein Stück vom Leben, eher ein Stück eines Kuchens, so oder anders sagte das jedenfalls mal Alfred Hitchcock.

Wir hatten, während der Proben zu „Alle da“, Kinder aus vierten und fünften Klassen  verschiedener Berliner Schulen eingeladen. Das, was mich dabei sehr berührte war, daß es dort einen deutschen Jungen gab, der meinte, es gäbe doch gar keine Kriege mehr auf der Welt. Neben ihm saß seine Klassenkameradin, welche vier Jahre zuvor aus Syrien geflüchtet war, oder waren es drei? Das Mädchen hatte einen Tränenausbruch während des Stückes, was wiederum die Regisseurin Göksen G. so beeindruckte, daß wir danach eine lange Unterhaltung darüber hatten, wie man Themen wie Krieg und Flucht auf Kindertheaterform bringt….
Ich glaube, das benannte Beispiel spricht für sich selbst!

Natürlich ist es nötig, neue ästhetische Formen und politische Inhalte an Kinder zu transportieren. Wer ist den irgendwann mal alt? Wer geht denn ins Leben? Welche Generation hat die Chance auf, zum Beispiel Gleichstellung, Verständnis. Toleranz?!

Aufklärung ist das Zauberwort. Denn wenn jemand keine Meinung hat und deshalb der von anderen hinterher läuft, sollte man es ihm zu gestehen, sich die Zeit zu nehmen, sich eine Meinung zu BILDEN.

Niemand verlangt heutzutage noch, daß man „Herr der Situation“ ist. Es reicht, wenn man die Fähigkeit erwirbt, sich zu akklimatisieren im Sinne eines „Sozialklimas“ OHNE in Befindlichkeiten zu fallen. Die Realität ist der Mensch. Auf der ganzen Welt! Soviel könnte man vom Internet schon gelernt haben.

Der einzige gangbare Weg, den ich da sehe ist und bleibt der DIALOG. In den Dialog zu TRETEN heißt, einen regulären Schritt zu machen. Sicher kann das Angst machen, aber wenn es  „keinen Weg zurück“ gibt, oder man „schon längst“ an der Wand steht, vergrößert es vielleicht auch den eigenen Raum, wenn man auf Menschen zugeht. Probieren geht da über studieren, da bin ich mir sicher!

Nun sind „Alle da“!
Die Premiere war am 03. Oktober 2015, dem „Tag der deutschen Einigung, oder war es Enteignung? Einheit kann es ja schlecht sein, wenn Asylantenheime brennen…oder doch?!

Regie: Göksen Güntel. Musikalische Leitung: Carsten Klatte. Ausstattung: Franz Gronemeyer. Dramaturgie und Regieassistenz: Klara Kroymann. Licht und Ton: Aaron Vorpahl. Es spielen: Dela Dabulamanzi, Atilla Oener, Moritz Ross. Filmsequenz mit: Ibrahem Al Abed. Videoschnitt: Leo Stachnik.