Stupid for the masses

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Stupid for the masses“ ist ein Slogan, der mir bei einem Telefonat mit meinem Bassisten „quasi in den Mund“ gelegt worden ist…

Müsste ich eine Presseerklärung dazu abgeben, würde die ungefähr so aussehen:

Stupid for the masses ist ein offenes Projekt, welches ich 2012 begann. Es ist inspiriert durch andere Künstler und Ideen, zum Beispiel den Musiker Fred Frith mit seinem Album und dem dazugehörigen Film „Step across the border“. Die Idee eines Zen-Geistes in der Musik oder des kreativen Schaffens zu haben, Wege zu reduzieren und Prozesse zu entschleunigen, dadurch dass man nicht viel Zeit auf sie „verschwendet“.

Stupid for the masses folgt diesem Prinzip. Es ist somit eine Produzentengalerie geworden, in welcher Prozesse veranschaulicht werden, das „wie“ einmal ungeschönt dargestellt wird, in seiner direkten Art, ohne es zu korrigieren und es dadurch konsumierbarer zu machen. Keine der Produktionen brauchte länger als 3-4 Stunden Entstehungszeit, immer auch als Reflektion gedacht, einen Moment des Lebens zu dokumentieren, welcher ja noch viel schneller passierte, als man die Zeit hatte, sich darauf einzustellen.Wie also könnte man sein „Tempo“ beschleunigen, wenn nicht durch das strikte „weglassen“ jeglicher Korrektur. Und so schnell dieser „Moment“ aus dem Leben genommen war, so schnell sollte er auch wieder eingefügt werden, weshalb alle Stücke auch direkt ins Internet gepostet worden sind, zum direkten Download bereit stehend. Ein „interaktives“ Geben und Nehmen, was das „Re-writing“ oder Nach-produzieren solcher „Momente“ nicht ablösen oder auch nur in Frage stellen will, sondern nur eine weitere Facette des kreativen Lebens darstellt und , auf eine gewisse Art und Weise, „näher an der Quelle“ ist, als irgendein konsumierfreudigereres „Endprodukt“.

Es ist die Suche nach einer neuen Form der Kommunikation, in welcher die Freiheit des Ausdrucks, die Freiheit der Erhältlichkeit mit einbezieht. Vielleicht eine Vision von etwas neuem, vielleicht auch nur die Hoffnung auf sie, jedenfalls, oder besser allenfalls das gewissenhafte Arbeiten des Künstlers an seiner Umwelt, sich selbst und der sogenannten sozialen Skulptur, sofern man die Medien als Substanz begreift, also als mit-formbar und nicht als formend, und sie mit einbezieht in den kreativen Meinungsbildungsprozesses des Denkbildes.

Stupid for the masses“ ist also ein Kunstwerk im Sinne einer sozialen Plastik. Primär dient es der Bereicherung der Allgemeinheit, da mit ihm keine weiteren Zwecke verfolgt werden. Zum anderen dient es der Kommunikation, da die musikalische Sprache frei wählbar ist und keinerlei kommerzieller oder sogar konzeptioneller Limitierung unterliegt. Letztlich steht der Prozess selbst so sehr im Vordergrund, dass gar keine Zeit mehr bleibt, auf ein Resultat zu warten und sich so wieder einem „Dogma“ oder Glaubenssatz zu unterwerfen, da man, nur weil man Arbeit in etwas steckt, zu denken pflegt, es hätte mehr wert, als der Ursprung der Form.“

Stupid for the masses“ ist somit einer der (ersten) Versuche, neues, kreatives Potential der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, welches sich, so hofft jedenfalls der Künstler, dadurch dass es frei zugänglich ist im Internet, jenseits von „Vorläufen“ und Release Dates“, sprich jenseits von Zeit(-fenstern) durchsetzen wird, weil es seine „Hörerschaft“ schon durch seine „innere Einstellung“ erreichte (ideologisch betrachtet), bevor es überhaupt entstand. So etwas ist als kulturpolitischer Akt zu betrachten, so war es jedenfalls gedacht. Wenn es der Künstler schafft, sich jenseits der Industrie zu positionieren und zu etablieren, schafft er sich damit das Fundament der „freien“ Meinungsäusserung, sozusagen die einzige Position, in der er „seinen Job“ auch (richtig) machen kann, da er, als Individuum, sich dazu verpfichtet hat, die Masse zu spiegeln, was sein (eigentlicher) Auftrag ist/sein sollte.

„Stupid for the masses“ ist ein Schritt in diese Richtung.

Carsten Klatte auf Soundcloud